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DDR-Sprache

Unter DDR-Sprache werden allgemein sprachliche Erscheinungen verstanden,
die vor allem in Lexik und Stilistik sowohl im Alltag wie auch in den Medien in der DDR anzutreffen waren.

Es gab eine ganze Reihe Wörter, Kurzworte und Abkürzungen, die nur in der DDR Verwendung fanden. In der DDR neu gebildete Wörter, so genannte Neologismen, die sich vom übrigen deutschen Sprachraum unterschieden und dort keine Anwendung finden und zum Teil auch aus dem Russischen stammten bzw. Übersetzungen aus dem Russischen sind, werden auch aufgeführt. Die folgende Liste, die sich als alphabetische Sammlung versteht, enthält gemischte Begriffe, die noch weiter unterschieden werden können:

a) Begriffe, die von allen ohne oder fast ohne inneres Widerstreben benutzt wurden, um bestehende Sachverhalte zu bezeichnen, ohne diese auf- oder abzuwerten. Beispiele: ABV, Broiler, HO, Kaufhalle, Wandzeitung, sozialpolitische Maßnahmen, Babyjahr, Ehekredit.

b) Begriffe, deren Gebrauch Linientreue oder eine kommunikative Zwangssituation kennzeichneten. Beispiele: Abschnittsbevollmächtigter, Genosse, Klassenfeind, Werktätige, unser (sollte das Volkseigentum und die Gemeinsamkeit betonen) "unsere Deutsche Demokratische Republik".

c) Begriffe, deren Gebrauch Ironie gegenüber dem System deutlich machte. Beispiele: Bonbon, Bückware, Ochsenkopfantenne (ursprünglich ausgerichtet auf die Fernsehsendeantenne auf dem Ochsenkopf - zwecks Westfernsehen, wurde der Begriff Gattungsbegriff für "Westantennen"). Auch Begriffe aus b) wurden durch entsprechende Überhöhung gelegentlich so benutzt.

d) Begriffe, die in einem anderen Sinn verwendet wurden als in der Bundesrepublik. Beispiele: Diktatur (ist Herrschaft einer Klasse), Stadtrat (ist Teil der Exekutive, nicht Legislative), Demokratie, militärische Überlegenheit (bestünde darin, dass das Volk die Waffen zur Verteidigung nutze), Freiheit (ist Einsicht in die Notwendigkeit)

Zeitliche, örtliche und situative Unterschiede, in welchem Sinn die Begriffe gebraucht wurden, sind außerdem möglich.



DDR-typische Verwendung von Wörtern und Neuschöpfungen

ABF ? Arbeiter-und-Bauern-Fakultät


ABI ? Arbeiter- und Bauerninspektion

abkindern ? einen Kredit abkindern (Bei Eheschließungen wurde auf Antrag ein zinsloser Kredit gewährt; bei Ankunft eines oder mehrerer Kinder wurde die abzuzahlende Kreditsumme entweder gemindert oder galt als getilgt, dies richtete sich nach der Anzahl der Kinder; daher der umgangssprachliche Begriff "abkindern")

ABV ? Abschnittsbevollmächtigter, Volkspolizist, der als Ansprechpartner für ein bestimmtes, begrenztes (Wohn-)Gebiet diente

ACZ ? Agrochemisches Zentrum, Einrichtung, die LPGen Technik und Material zur Düngung und Schädlingsbekämpfung bereitstellte

ADN ? Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst, Presseagentur der DDR

Alu-Chips ? Aluminium-Münzen der DDR-Währung

AdW ? Akademie der Wissenschaften der DDR

Agrartechnik - Feldbau in der Landwirtschaft

Agrartechniker - Facharbeiter für Feldbau in der Landwirtschaft

Agronom - Ingenieur für Feldbau in der Landwirtschaft

AKA ? Marke für elektrische Haushaltgeräte

Aktendulli ? Heftstreifen

Angebot - nur im Sinne von Sortiment, nicht Sonderangebot

Antifaschistischer Schutzwall - Berliner Mauer und Grenze zur BRD

ASK ? Armeesportklub (eigentlich ASK Vorwärts)

AWG ? Wohnungsbaugenossenschaft (für Arbeiter und Angestellte)

A&V; ? An- und Verkauf, Second-Hand-Laden

BBS ? Betriebsberufsschule

BBZ ? Berufsberatungszentrum

Bedarfsunterdeckung - Versorgungslücke

BGL ? Betriebsgewerkschaftsleitung

Bilanzierung ? Zuweisungsprozedur für Arbeitsmaterial und Produktionsmittel an Betriebe

Blaue Fliesen ? Westgeld, in Anlehnung an den 100-DM-Schein

Blockflöten ? Bezeichnung für kleine, neben der SED bestehende Blockparteien und deren Mitglieder (Nachwendezeit)

Bonbon ? SED-Parteiabzeichen (von jedem "Genossen" am Revers zu tragen)

Bonze ? abwertender bis beschimpfender Ausdruck für Partei- und Staatsfunktionäre

BRD ? allein gebräuchliche Abkürzung für die Bundesrepublik Deutschland

Brigade ? kleinstes Kollektiv im Produktionsprozess, eine für einen bestimmten Bereich verantwortliche Arbeitsgruppe

Broiler ? siehe Goldbroiler

BSG ? Betriebssportgemeinschaft

Bückware ? Tauschware, Schieberware, eigentlich Waren, die nur durch Bücken (unter den Ladentisch) zu erhalten waren

Burger Knäcke - Knäckebrot

C&A; - sowjetische Truppen, nach den kyrillischen Buchstaben "CA" auf den Schulterstücken der Soldatendienstgrade (Abkürzung für russisch ????????? ?????- Sowjetische Armee)

Datsche (russisch ????) ? Wochenend- oder Gartenhäuschen im Grünen

DEFA - staatliche Filmgesellschaft der DDR

Delikat-Laden ? bestimmte Lebensmittelgeschäfte, ca. seit Ende der 1970er Jahre eingerichtet, in der Umgangssprache auch "Deli" oder "Freß-Ex" genannt. Im Sortiment waren hauptsächlich Nahrungs- und Genussmittel, ganz überwiegend aus DDR-Produktion, darunter begehrte Exportartikel und andere selten erhältliche Waren, teilweise in West-Aufmachung, vor allem zu Anfang auch West-Marken. Das Preisniveau lag deutlich über den Normalgeschäften.

DEWAG ? Deutsche Werbe- und Anzeigengesellschaft

DFF ? Deutscher Fernsehfunk

DHFK ? Deutsche Hochschule für Körperkultur (Sporthochschule in Leipzig)

Dispatcher ? (vom englischen to dispatch = etwas erledigen, abschicken) - Einsatzleiter, Koordinator, Disponent, Administrator; vermutlich als Fremdwort aus dem Russischen übernommen

Diversant ? ein Agent und Attentäter oder "Störer" ("ideologische Diversion" - Eindringen westlichen Gedankengutes)

DSF ? Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft

Elaste (pl.) ? Elastomere (elastische Stoffe) - kaum gebräuchlich, siehe auch: Plaste (pl.)

ESP ? Schulfach, Abkürzung von "Einführung in die sozialistische Produktion", meist Wirtschaftslehre und Technisches Zeichnen

Elasan - Produktmarke für Babys, wie Creme oder PPuder

Erdmöbel ? Bezeichnung für einen Sarg (vermutlich kabarettistische Wortschöpfung)

EOS - Erweiterte Oberschule, Schuleinrichtung mit Abschlußziel Abitur

EVP ? Einzelhandelsverkaufspreis auf der Ware aufgedruckt, da es in der DDR nur Festpreise gab

Exquisit, Ex ? Laden für Kleidung für gehobenere Ansprüche zu ebenfalls "gehobeneren" Preisen

Facharbeiter für Be- und Verarbeitung von Hülsen- und Körnerfrüchten - "Kurzform" für Müller

Facharbeiter für Schreibtechnik - Schreibkraft (Sekretärin benötigte noch Zusatzlehrgang)

Fahne - Nationale Volksarmee, bei der Fahne sein

Fahnenappell - Ritual in Schule und Lehrausbildung zu politischen Höhepunkten und zu Beginn und Ende von Schuljahren

FDJ, Freie Deutsche Jugend, Organisation für Jugendliche, "Kampfreserve der Partei" (SED)

Feierabendheim ? Seniorenheim

Filinchen - Knäckebrot

Fit ? Spülmittel

Frauenruheraum - in Betrieben zur Ruhe für Frauen, besonders Schwangere, eingerichteter Raum

Freilenkung von Wohnraum ? Umschreibung für staatliche Einflussnahme auf Beendigung und Neubegründung von Mietverhältnissen

"die Freunde" ? die Sowjetunion, die Sowjetbürger, sowjetische Soldaten

"Freundschaft!" ? FDJ-Gruß, mit dem FDJ-Versammlungen und ab der 8. Klasse (häufig, aber nicht einheitlich) Unterrichtsstunden begonnen wurden; üblich auch bei Appell-Veranstaltungen

Früh-und-Spät-Verkaufsstelle - Verkaufsstelle für Lebensmittel, die in den Früh- und Abendstunden und am Wochenende geöffnet war, um die Versorgung der Schichtarbeiter zu gewährleisten.

Geborgenheit: "Soziale Geborgenheit", "Geborgenheit im Alter" ? Floskel aus der Parteiagitation, besonders in Printmedien und Plakatierungen (zum Beispiel anlässlich von Jahrestagen und Wahlen) genutzt.

Genosse, Genossin ? kein spezieller DDR-Begriff, sondern auch üblich als interne Anrede in verschiedenen Parteien; in der DDR aber offizielle Anrede bei "bewaffneten Organen" sowie in der SED, statt der sonst üblichen Anrede "Herr" oder "Frau". Herr Schulze wurde also als "Genosse Schulze" angesprochen, der Soldat Meier als "Genosse Soldat".

Gesellschaftliche Aktivität ? ehrenamtliche Tätigkeit

Getränkestützpunkt - Verkaufsstelle für Getränke, die häufig in den Abendstunden und am Wochenende geöffnet war.

Goldbroiler, Broiler für Grillhähnchen, aus Gold (für die Farbe des Hähnchens) und dem englischen broiler (zu deutsch Hähnchen, Brathähnchen oder Bratrost)

GOL ? Grundorganisationsleitung der FDJ, z.B. an einer Schule

Grilletta ? DDR-Kopie des Hamburgers

GST - Gesellschaft für Sport und Technik

Hansakeks - Keksname

Hauptschwerpunkt - der Schwerpunkt aller Schwerpunkte

Hausbuch ? offiziell per Meldegesetz vorgeschriebenes Formularbuch in Heftform, in das alle Mieter, Untermieter und Personen mit längeren Besuchsaufenthalten in einem Mehrfamilienhaus beim Hausbuchbevollmächtigten eingetragen werden mussten.

Hausgemeinschaft, Hausgemeinschaftsleitung (HGL) - die Bewohner größerer Mehrfamilienhäuser wurden als Kollektiv betrachtet.

HO ? Einzelhandelsgeschäft der staatlichen Handelsorganisation

ImNu - Nahrungsmittelmarke

Intershop ? Geschäfte, in denen westliche Importware gegen Valuta, in der DDR offiziell auch frei konvertierbare Währung genannt, abgegeben wurde

Jahresendflügelfigur ? Weihnachtsengel (vermutlich kabarettistische Wortschöpfung)

Jahresendprämie ? Weihnachtsgeld, 13. Monatsgehalt

Jugendfreund ? Mitglied der FDJ, auch (oft ironisch gebrauchte) Anrede wie "Sportsfreund"

Junge Pioniere und Thälmannpionierepioniere ? die staatliche Kinderorganisation der DDR

Jägerschnitzel eine panierte und gebratene Scheibe Jagdwurst

Kader(-abteilung, -akte, Nomenklaturkader usw.) ? Personal(-abteilung, -akte, usw.)

Kaffee komplett ? Kaffee mit Milch und Zucker

Kaffee-Mix ? Ersatzkaffee "mit 50% Bohnenkaffee", auch "Erichs Krönung" genannt; erfolgloser Versuch Anfang der 1980er Jahre, den Kaffeeverbrauch zu verringern

Kathi - Marke für Pudding, Kuchen, und -zutaten

Kaufhalle ? Supermarkt

Kaviarbrot ? längliches Weißbrot, Baguette

Ketwurst ? abgewandelte Form des Hot Dog, geschnitten

Kinderkombination - Kinderkrippe und Kindergarten in einem Gebäude

KJS - Kinder- und Jugend-Sportschule

Kochklopse ? oft für Königsberger Klopse, scherzhaft auch Kaliningrader Klopse

"Kolja" (vom russischen Vornamen Nikolai) ? Sowjetbürger, sowjetischer Soldat (nicht unbedingt abwertend)

Kollektiv ? Arbeitsgruppe, neudeutsch Team

Klammeraffe - Tacker

Kombinat ? mit einem Konzern vergleichbarer Zusammenschluss von (VEB-)Betrieben, siehe auch VEB

Kolchose - umgangssprachlich abwertend für LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft)

Komplekt - von russisch ???????? - Eiserne Ration, Konservenverpflegung bei "bewaffneten Organen", also (NVA, Kampfgruppen etc.

Konsum ? Einzelhandelsgeschäft der Konsum-Genossenschaft

Kulturschaffender ? Künstler, Schriftsteller, dichtende Arbeiter, Musiker, Maler, Schauspieler usw. (...und manchmal sogar auch die Kulturfunktionäre der Partei)

Kundschafter des Friedens - Bezeichnung für Spion der eigenen Seite

Leiter - Kader mit Personalverantwortung, neudeutsch Manager

Mach mit?Bewegung - gemeinsame Arbeitseinsätze z.B. von Hausgemeinschaften zum Säubern von Straßen oder zur Pflege von Vorgärten und öffentlichen Anlagen, in den Nachkriegsjahren beim Nationalen Aufbauwerk oder zur Erarbeitung der notwendigen Genossenschaftsanteile bei der Arbeiterwohngenossenschaft (AWG)

Mathematikolympiade - Leistungswettkampf an Schulen im Fach Mathematik

Schulmilch - an Schulen verkaufte preiswerte Milch verschiedener Geschmacksrichtungen, meist in 250-ml-Tetrapaks

Mocca-Fix - fertig gemahlener Kaffee (einzige Marke, 70 DDR-Mark/Kilo)

Mobilisierung von Reserven ? Sprachfloskel der Parteiagitation, um die Ursachen wirtschaftlicher Probleme (meist organisatorische Mängel und fehlende Arbeitsmittel) zu kaschieren und das Schuldbewusstsein auf angeblich oder tatsächlich fehlende Arbeitsmotivation umzulenken

Mondos - zur Sachbezeichnung gewordener Markenname für Kondome, nach dem Namen des Herstellers, auch als Pariser, Gummifünfziger (wegen des EVP) oder Fromms bezeichnet

Naherholungsobjekt - eine Einrichtung zur Erholung, für Sport und für Freizeitaktivitäten in der näheren Umgebung (wie z. B. Sportplätze, Bäder, Ausflugsgaststätten)

Neubaugebiet ? In Westdeutschland unter dem Begriff "Plattenbau" bekannte, nach Modulbauweise errichtete Wohngebiete mit 3- bis 22-geschossigen Wohnhäusern

Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet (NSW) ? meist als Synonym für kapitalistische Länder gebraucht

Nicki ? T-Shirt

Niethose ? Jeans

Ochsenkopfantenne ? Fernsehantenne zum Empfang des Westfernsehens, nach dem Sender auf dem Ochsenkopf im Fichtelgebirge.

organisieren ? etwas besorgen, beschaffen ? und nicht immer auf dem üblichen oder legalen Weg

Ökulei - ökonomisch-kultureller Leistungsvergleich

PA - Abkürzung für das Schulfach "Produktive Arbeit"

Patenbrigade, Patenbetrieb ? Schulklassen und Kindergärten, aber auch Einheiten der NVA hatten in der Regel Patenschaftsverträge mit Betrieben oder deren Abteilungen.

PA - Abkürzung von "Produktive Arbeit", Unterrichtsfach, Schülerarbeit in Betrieben, meist 14täglich ein Tag, ab der 7. Klasse

"die Partei" ? die SED (mit bestimmtem Artikel war prinzipiell die SED und nicht eine Blockpartei gemeint)

parteilich ? die ideologischen Positionen des Marxismus-Leninismus einnehmend, "orthodox"

PGH ? Produktionsgenossenschaft des Handwerks

Pionierlager ? teilweise gebräuchlicher Begriff für Kinderferienlager

Plaste ? Kunststoff, Chemiewerkstoff, fachlich auch: Polymere, gegliedert in Plastomere und Elastomere, davon Plaste und Elaste abgeleitet

Plan Wissenschaft und Technik (im Kontext der Neuererbewegung)

"plaziert werden" - in manchen Restaurants wurden die Gäste vom Kellner an den Tisch geleitet, ähnlich wie in den USA und anderen Ländern

Polylux ? Overheadprojektor

POS - Polytechnische Oberschule, Schulform mit Klassen des 1. bis 10. Schuljahres

Rauhfutter verzehrende Großvieheinheit (RVG) ? eine Kuh

Reisekader ? Funktionär oder Person aus dem öffentlichen Leben, die regelmäßig ins Ausland reisen durfte. Diese wurden unterschieden in NSW- (siehe dort) und SW- (Sozialistisches Wirtschaftsgebiet)Kader

RFT ? Radio Fernsehen Television, Kombinat der Rundfunkgerätehersteller

Sättigungsbeilage ? gastronomische Bezeichnung und Speisekartenrubrik für Kartoffeln, Reis, Nudeln usw.

Schrott-Gorod, scherzhaft für Eisenhüttenstadt, auch: Blechbudenhausen

Sekundärrohstoffe (Sero) ? wiederverwertbare (recycelbare) Abfälle und Verpackungen wie Altpapier, Flaschen und Gläser ? siehe auch SERO.

Sichtelement - Plakat, Plakataufsteller, Werbetafel, Tafel für Losungen oder Ähnliches

Spartakiade - Sportwettbewerb für Kinder und Jugendliche in Schulen, auf Kreis- und Bezirksebene sowie im Endausscheid DDR-weit durchgeführt; diente der Talentesichtung und Nachwuchsgewinnung im Sport

Staatsapparat, staatliche Organe - der Staat mit all seinen Einrichtungen wie Parlamente, Verwaltungen, Behörden, Ämtern und Staatsbetrieben

Stabi - Abkürzung für das Schulfach Staatsbürgerkunde

Stasi - Ministerium für Staatssicherheit (Geheimdienst der DDR)

Stasispitzel - (inoffizieller) Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit

Straße der Besten ? dort hingen in Betrieben die Porträts der Besten im Sozialistischen Wettbewerb

Stomatologe ? Zahnarzt

Subbotnik ? (nicht immer ganz) freiwilliger, unbezahlter Arbeitseinsatz am Sonnabend (russisch ??????? = Sonnabend, Samstag)

Tafelwerk ? umfangreiche naturwissenschaftliche Formel- und Datensammlung für den naturwissenschaftlichen Unterricht in der Schule

Tempoerbsen, Tempobohnen und Tempolinsen - Markenname für vorbehandelte, schnellgarende Hülsenfrüchte

Tote Oma - Grützwurst, Blutkuchen, entpellte Blutwurst

"Towarischtsch"? die Sowjetunion, der Sowjetbürger, sowjetischer Soldat (russisch ??????? = Genosse)

Trab(b)i ? liebevolle Bezeichnung für den lang ersehnten Familienwagen und quasi Mitglied der Familie ? den Trabant

Tralafa ? Transport- und Lagerfacharbeiter auch Facharbeiter für warenbewegende Prozesse

Tschekist - offizielle Bezeichnung für Mitarbeiter des MfS, von Tscheka

Untertrikotagen ? Unterwäsche

urst - umgangssprachlich statt sehrverwendetes Adjektiv

UTP - Unterrichtstag in der Produktion / Unterricht in der technischen Produktion, später auch als PA (Produktive Arbeit) und an der EOS als WPA (Wissenschaftlich-Praktische Arbeit) bezeichnet.

Valuta, Devisen ? westliches Geld, frei konvertierbare Währung, siehe Deutsche Mark

VEB ? Volkseigener Betrieb, siehe auch Kombinat

VEB Gleichschritt - Nationale Volksarmee, in Anlehnung an VEB Fortschritt (bekannter Landmaschinenproduzent aus Weimar)

VEB Horch und Guck - Staatssicherheit

VEB Landesverteidigung - Nationale Volksarmee

Völkerfreundschaft ? internationale Freundschaft, hauptsächlich zu den Ländern des Ostblocks und der "dritten Welt; bekannter jedoch als Name eines Kreuzfahrtschiffes des FDGB

Wandzeitung ? Pinnwand in den Schulen und Betrieben, die jedoch nicht für jedermann zu benutzen war, sondern mit Losungen und Appellen zum saisonalen Thema, 1. Mai, x-ten DDR-Jahrestag, Oktoberrevolution usw. offiziell vom Wandzeitungsredakteur gestaltet wurde

Weiße Maus - in Medien gebräuchlicher angeblicher Volksmund für Verkehrspolizist (wegen der weißen Wettermäntel)

Weltniveau ? ein gern benutzer Begriff, wenn Leistungen der DDR ein dem Westen vergleichbares Niveau hatten

Werkküche - Kantine

Werktätige ? berufstätige, im Erwerbsleben stehende Menschen

Westgeld - umgangssprachlich für DM, frei konvertierbare Währung, Valuta

Winkelement ? Fähnchen für Veranstaltungen/ Demonstrationen (sarkastisch: Jubelfetzen, Euphoriefetzen)

Wurfspiel - Dart

Zellophanbeutel - Folienbeutel

Zellstofftaschentuch ? Papiertaschentuch

Zone - Sowjetische Besatzungszone (SBZ)

Zootechnik - Tierhaltung und -zucht in der Landwirtschaft

Zootechniker - Facharbeiter für Tierhaltung und -zucht

Zusammenrottung ? öffentliche, aber illegale Versammlung von (mehr als 2) "staatsfeindlichen" Menschen, Begriff des Strafrechts der DDR

Siehe: http://snake.cs.tu-berlin.de:8081/~alalalal/dictionary.html - Wörterbuch Neufünfländisch RedewendungenAntifaschistischer Schutzwall ? Bezeichnung der befestigten Grenze nach Westdeutschland und der Mauer Das Studium der Dokumente sich mit den Beschlüssen der Partei vertraut machen

Der feste/klare Klassenstandpunkt ein DDR-Bürger mit dem ?richtigen? Weltbild

Der neue Mensch ein Mensch, der in das System des Sozialismus paßt

Die guten Genossen zuverlässige Parteikader

Die führende Rolle der Partei der Arbeiterklasse Führungsanspruch der SED

Die historische Mission der Arbeiterklasse ? ist der Aufbau des Sozialismus

Die Partei, die Partei, die hat immer recht ? ein ?Kampflied?

Die wissenschaftliche Weltanschauung Bezeichnung für das marxistische Weltbild/den dialektischen und historischen Materialismus/die Marxistische Philosophie

Die Partei der Arbeiterklasse die SED/die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

Diplomaten im Trainingsanzug für international erfolgreiche Sportler

Kollektiv der sozialistischen Arbeit Auszeichnung im innerbetrieblichen Wettbewerb

Goldene Hausnummer für Sieger im Wettbewerb von Hausgemeinschaften

Parteiliches Verhalten alles so sehen, wie die SED es sieht

Unsere Menschen die Parteikader reden über ?ihre? DDR-Bürger

Losungen

Losungen zum 1. Mai und zu Demonstrationen wurden vorgegeben. Dazu gab es Listen, aus denen Losungen gewählt werden konnten. In der Wendezeit 1989 aber erfanden Demonstrationsteilnehmer selbst sehr treffende zum Teil ironische und sarkastische Losungen. Losungen wie "Wir sind das Volk!", und "Keine Gewalt" begleiteten die friedliche Revolution. Andere Losungen waren zum Beispiel "Stasi in die Produktion!" (gemeint war, die sollten arbeiten) und "Wir sind ein Volk!". Die folgenden Losungen sind offizielle Losungen vor der Wendezeit. Arbeite mit, plane mit, regiere mit!
Arbeiter- und Bauernstaat

Der Marxismus ist ewig, weil er wahr ist

Die Welt ist erkennbar

Ewige Freundschaft mit der ruhmreichen Sowjetunion

Für Frieden und Völkerfreundschaft

Kampf- und Feiertag der Werktätigen ? 1. Mai

Im Mittelpunkt steht der Mensch

Jedermann an jedem Ort - einmal in der Woche Sport! (Zitat von Walter Ulbricht)

Proletarier aller Länder - vereinigt Euch

Schöner unsere Städte und Gemeinden- Mach mit! (jährlicher Aufruf zu Arbeitseinsätzen- meist in der Form eines Subbotnik- in der Hausgemeinschaft und in öffentlichen Parks und Grünanlagen)

Unsere ganze Kraft für die Erfüllung des 5-Jahrplanes

Unsere ganze Schöpferkraft für den Sozialismus

Von der Sowjetunion lernen - heisst Siegen lernen

Wir sind die Sieger der Geschichte

Werbung

Die Werbung war, so sagte der Volksmund, immer ausgerichtet auf das, was gerade da war und weg musste. Zeitweise gab es auch Werbefernsehen. Das Werbefernsehen wurde unterbrochen durch einen kurzen Zeichentrickfilm im "Minikino". Zu den gezeigten Filmen gehörte zum Beispiel Arthur, der Engel. Weißkraut ist ja so gesund! Jedermann auf jedem Tisch / mehrmals in der Woche Fisch!

Stets dienstbereit zu Ihrem Wohl / ist immer der Minol-Pirol!

Nimm ein Ei mehr!

Ortsnamen

Auch Ortschaften erhielten oft propagandistische Zusätze oder wurden gleich ganz umbenannt: Berlin - Hauptstadt der DDR, früher auch Demokratischer Sektor von Berlin, Demokratisches Berlin Stalinstadt, später in Eisenhüttenstadt umbenannt

Wilhelm-Pieck-Stadt Guben

Marxwalde für Neuhardenberg

Dorf der Jugend für Adelsdorf bei Großenhain

Karl-Marx-Stadt für Chemnitz

Projektionsworte

Von westlichen Medien als angebliche DDR-Idiomatismen verwendet, aber in der DDR nie Sprachgut: Apparat ? in Anlehnung an Obrigkeit die ganze staatliche Verwaltung und Machtstruktur der Partei (und damit des Staates) bis in den kleinsten Betrieb, in die unwichtigste Organisation, selbst in die Schulen und in die allerletzte Landecke, daraus auch: Apparatnik, Apparat(t)schik ? ein (SED-)Parteifunktionär, der aus der Sicht des Apparates, der Partei- und Politbürokratie, denkt, redet und handelt. Als Projektionswort aber umstritten, da es in der russischen Umgangssprache so verwendet wird.

"Sudel-Ede" ? Karl-Eduard von Schnitzler, hingegen war "Karl-Eduard von Schnitz..." in der DDR geläufig, denn die letzte Silbe "...ler" war wegen des umgeschalteten Fernsehprogramms (besonders vor 1969 originell und witzig, wo es nur ein DDR-Programm gab!) oder wegen des ausgeschalteten Fernsehapparats nicht mehr zu hören.

Vopo ? Volkspolizist, hingegen wurde "Bulle", "Grüner" und "Straßenförster" (besonders für die Verkehrspolizei) verwendet.

Kabarettistische Schöpfungen"Geflügelte Jahresendfigur" für Weihnachts-Engel (aus der Satirezeitschrift "Eulenspiegel" karikierte die bemühte offizielle Umgehung religiöser Begriffe). siehe auch Jahresendflügelfigur und passend dazu: Frühjahrsschokoladenhohlkörper ? Schokoladenosterhase "Arbeite mit, plane mit, regiere mit!" was propagandistisch verwendet wurde, wurde im Kabarett Herkuleskeule Dresden umgewandelt zu: "Arbeite mit, plane mit, reagiere mit!"''

Spaßhafte oder ironische Bezeichnungen

In Berlin (wo ohnehin dominierende Gebäude im Volksmund ironisiert wurden und werden): Palast der Republik Erichs Lampenladen, Erichs Datsche am Kanal, Palazzo Prozzo und Ballast der Republik (sächsische Aussprache, auch mit einem Witz verbunden) Fernsehturm St. Walter und Pik Walter (In Anspielung auf Walter Ulbricht und die Gipfel Pik Lenina, Pik Kommunismus in der UdSSR ) Die Rache des Vatikan oder die Rache des Papstes, durch die Strukturierung der Kugel am oberen Ende des Turmes wird das Sonnenlicht in Kreuzform reflektiert, Rache bezieht sich dabei auf die negative Einstellung der SED zur Kirche)

propagandistisch: Leuchtturm des Sozialismus; in abgeschwächter Form Telespargel, Pseudo-Volksmund; nur journalistisch und leutselig-offiziell verwendet Haus des Lehrers Bauchbinde für das umlaufende Fresko Alexanderplatz Nuttenbrosche für den "Brunnen der Lebensfreude" In Leipzig: "Weisheitszahn" für das an die Form eines Zahnes erinnernde Gebäude der Karl-Marx-Universität (jetzt: Universität Leipzig) "Bemm(en)büchse" oder "Blechbüchse" für ein Kaufhaus mit Vorhangfassade aus Aluminiumblech und nierenförmigen Grundriss in Anlehnung an den Aufbewahrungsbehälter für Frühstücks- oder Pausenbrot.

In Dresden: "Denkmal des letzten Straßenbahnschaffners" für das Lenin-Denkmal auf dem damaligen Leninplatz und jetzigen Wiener Platz wegen der charakteristischen Schildmütze, die Lenin, Stalin, Thälmann aber eben auch die Straßenbahnschaffner (die gegen Ende der 1960er Jahre, als das Denkmal gebaut wurde, wegrationalisiert und durch Fahrkartenentwerter ersetzt wurden) trugen. Georgi-Dimitroff-Brücke - die 1945 zerstörte Augustusbrücke bzw. Friedrich-August-Brücke, die nach dem Wiederaufbau den Namen von Dimitroff mit der begründenden Quasi-Legende, warum die Brücke so heiße, dass man bei der Bauplanung beriet und auf dresdnerische Art über die Sandsteine sagte: "Da nähm mor die mit ruff und die mit ruff" ("Da nehmen wir die mit rauf.") Andere Legenden sagten, dass der sächsische König August, wenn er in der Kutsche über die Brücke fuhr, beim Anblick schöner Frauen immer rief: die mit druff und die mit druff!

Fresswürfel - Spitzname der Selbstbedienungsgaststätte am Postplatz in der Nähe des Zwingers gelegen, die ein Würfelförmiges Äußeres hatte und neben mehreren Gaststätten Klubräume beherbergte. Eigentlich: "HOG am Zwinger". Das Haus ist heute zu einem Drittel abgerissen und der Rest wird als Kaufhaus für Billigprodukte genutzt.

In Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt): "Nischel" (ostmitteldeutsch "Nüschel" = Kopf, Schädel) - das Karl-Marx-Monument. Dazu folgendes Zitat von Wladimir Kaminer in "Mein deutsches Dschungelbuch", S. 23f.: "Die Chemnitzer lieben den Metall-Kopf nach wie vor. Als die anderen ostdeutschen Städte in Eile versuchten, sich von den sozialistischen Merkmalen der alten Zeit loszusagen, gab es in Chemnitz keine solche Diskussion. Ob man den Kopf lieber abreißen sollte, stand nie zur Debatte." und "Es war ein sehr großer Kopf, viel größer als unsere in der Sowjetunion, und er kuckte auch anders. Bei uns hatten die Marx-Köpfe immer einen ergreifenden, geradezu raubgierigen Blick, mit Falten auf der Stirn und Augen, die wilde Entschlossenheit ausstrahlten. Unsere Köpfe wollten die Welt verändern."





Außerdem: Dresden und Leipzig: "Tal der Ahnungslosen", weil der Empfang von westlichen Fernsehstationen nicht möglich war, deswegen auch die Deutung der Abkürzung ARD (siehe unten) "Dub?ekss letzte Rache" (neu eingeführte tschechische Straßenbahnzüge in Dresden und auch in Leipzig, die so hart und schnell anfuhren, dass alle Fahrgäste, die sich nicht festhielten, durch die Bahn flogen.)



Weiter verbreitet:

Bissmark/Bismarck (bezieht sich nicht auf den ehemaligen deutschen Kanzler, sondern darauf, dass angeblich im Restaurant jeder Bissen eine Mark koste) "Horch und Guck", "Die Firma" - Synonym für die Staatssicherheit

"Sicherheitsnadel" - Synonym für Mitarbeiter der Staatssicherheit

"Kamerad Greifzu", "Genosse Greifzu" - Synonym für Mitarbeiter der Staatssicherheit und der Volkspolizei in Anlehnung an den Sportler Paul Greifzu.

Humoristische Deutung von AbkürzungenDDR - "Drei Doofe regieren" (Pieck, Ulbricht und Grotewohl) oder "Drei Doofe rabotern" (in Anlehnung an russ. "rabotat'" = arbeiten und "eingesächsischt") und "Dawaj, dawaj rabotaj(tje)" sinngemäß "Los, los! Arbeiten!" (ebenfalls in Anlehnung an russ. "dawaj" = "Los!", "Beeile dich!", "Spute dich!", "Mach hin!", "Vorwärts!" + "rabotat'" = arbeiten) . Auch : "Der Doofe Rest" EDV ? Eggönömisch Dechnisch'r Vordschridd ("versächsischt") auch: Ende der Vernunft

FDGB - "Frau Doktor geht baden"

SED - "Shop Exquisit Delikat"

IFA (Industrievereinigung Fahrzeugbau) ? Idioten fahren Auto

Konsum - "Kauft, ohne nachzudenken, schnell unseren Mist"

Palast der Republik - "Palazzo Prozzo" und "Erichs Lampenladen"

UDDR in Anlehnung an UdSSR - Unsere Deutsche Demokratische Republik

UdSSR - "Unter dem Sofa sitzen Russen." vermutlich in Anlehnung an die bäuerliche Gewohnheit in Russland, (faul) auf dem Ofen zu sitzen oder zu liegen.

ZDF-ARD ? Zentrales Deutsches Fernsehen Außer Raum Dresden

Siehe auch: Westdeutsche Sprache nach 1945, Sprachgebrauch in Österreich, Liste_von_DDR-Markenprodukten
WeblinksAbkürzungen der DDR von A bis F http://www.ostprodukte.de/woerterbuch.php

Ostworte

Wir sind die Sieger der Geschichte







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